Künstlerische Arbeiten im öffentlichen Raum sind mit Unwägbarkeiten und Unsicherheiten behaftet; ein Tatbestand, der sich zumeist auf die Planungs- und Genehmigungsphase bezieht. Bei den Arbeiten von Empfangshalle ist diese Unwägbarkeit – oder positiv gesprochen: Offenheit – jedoch konstitutiver Bestandteil der eigentlichen Werk-, Ausführungs- oder Aufführungsphase.

Markantes Beispiel hierfür ist das für Gelsenkirchen-Buer vorgeschlagene Skulptur-Projekt Gelsenlos. Ein Los, selbst ein „Gelsenlos“, spielt per se mit Hoffnung und Zufall. Somit ist der Zeitrahmen der Arbeit von Empfangshalle also mit vielen Hoffnungen verbunden, einzig sicher ist aber zunächst nur, dass es einen Arbeitslosen weniger in der Stadt geben wird, der – von Empfangshalle engagiert – jene „Gelsenlose“ verkauft.

Erst ein Losgewinn wird das vermeintlich eigentliche Kunstwerk initiieren: Er löst mehrere riesige Wasserfontänen aus, die auf der St. Urbanus-Kirche die im Krieg zerstörte Turmspitze für einige Momente nachzeichnen – und damit der Kirche seine Kirchturmspitze wie der Stadt Buer ihr Wahrzeichen Empfangshalle nutzt das Wasser als Baustoff, das im Kontext der Kirche auf uralte Rituale wie Taufe und Reinigung, und damit dessen kulturellen Stellenwert in unserer Gesellschaft verweist.

Mit der Involvierung jedoch eines „arbeitslosen“ Straßenverkäufers der Obdachlosenzeitschrift fifty-fifty in das künstlerische Projekt, das somit bereits lange vor und nahezu unabhängig von dem jeweils spektakulären Wasserereignis stattfindet, wird auf eine, auch das Wasser betreffende gesellschaftliche Struktur verwiesen, die sich mehr und mehr der Machbarkeit und unseren Wunschvorstellungen entzieht – wie zugleich über eigene Potenziale verfügt. Denn der „arbeitslose“ Straßenverkäufer, der in einer von den Künstlern gebauten Verkaufsbude nahe der Kirche neben den „Gelsenlosen“ auch seine Zeitschrift anbot, eröffnete dem Projekt nochmals eine ganz anders motivierte Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit.

Der Griff zum Wasserhahn jedoch, der unmittelbar das Wasser sprudeln lässt, ist nur solange mit unumstößlichem Optimismus verbunden, wie man eine Reihe entscheidender Voraussetzungen (und deren Anfälligkeit) ausblendet. Ja, vielleicht ist heute tatsächlich schon von Glück zu sprechen, ungeachtet aller administrativen und technologischen Bemühungen, wenn das Wasser „auf Knopfdruck“ sprudelt.

Christopher Kramatschek