re-arranging
die Magie der Neuinszenierung

Kunstmachen bedeutet Verarbeiten und wenn möglich Neuansicht auf Uraltes und Präsentes. Nur so entstehen Inhalte und mit ihnen neue Qualitätsparameter.

Bemüht um eine angemessene Form ihrer Malerei, richtet die 1973 geborene Jutta Scheiner den Blick auf künstlerische Konzepte, die in der Suche nach dem geeigneten Material ihre Realisierung finden. Indem sie die Leinwand als klassischen Malgrund verlässt, sprengt sie die Grenzen des flächigen Tafelbildes. Dies führt zur Auflösung der bisher festgelegten Gattungen wie Objekt, Bild, Zeichnung, Skulptur, die nun alle in einem künstlerischen Feld zu einem Ganzen verschmelzen.

Für ihre neuen Arbeiten verwendet Jutta Scheiner Styroporplatten und -brocken, montiert dieses Material zu raumgreifenden Gebilden und nutzt die reliefartige Gestaltung des Vorgefundenen zu einer avancierten Art des Recyclings. Formal innovativ wirkten die Materialbilder von Scheiner, weil sie sich der Ästhetik des Vollendeten und Makellosen entziehen. Das Material, gerade weil es nach konventionellem Maßstab fehlerhaft, misslungen und verbraucht erscheint, setzt unvorhersehbare Dynamik frei. Mit dem Verlust des Gebrauchswertes verliert der Gegenstand eigentlich zugleich Funktion und Bedeutung; die Dinge bleiben in ihrer schieren Materialität zurück. In diesem Sinne basiert die Malerei von Jutta Scheiner auf einem zyklischen Verfahren, indem das Produkt (Styropor) über den bloßen Konsum zu einer Ressource wird und sich als Material in einen neuen Bildkontext transformieren lässt. Vertrautes durchläuft den Prozess einer Metamorphose und wird zu etwas Neuem, zu einem Dialog mit den verwendeten Motiven und Materialien.

In den Arbeiten der Künstlerin Jutta Scheiner begegnet uns das Kunstwerk nicht als ein geschliffenes Produkt, sondern als etwas Paradoxes. Es gibt einzelne Fragmente ohne einen logischen inneren Bezug zueinander, dann wieder organische Übergänge, stimmige Proportionen sowie die übergreifende Einheit der Einzelteile. Meisterhaft versteht sie es, das Fiktive zu inszenieren und wird als zeitgenössische Kunstschaffende zu einer Art modernen “Migrantin” mit ungezwungenen Umgangsformen.


Andrea Schmidt, im Juni 2005

Schmidt Galerie - Max-Beer-Str. 13 - 10119 Berlin, Mitte