„Die Welt ist bizarr“ (Der Spiegel, 11/2005, S. 185ff)

Im Frühjahr 2005 stößt Mads Dahl Pedersen im SPIEGEL auf einen Artikel. Ein Quantenphysiker kommt darin zu Wort, plaudert über Interferenzmodelle und vertritt die These, dass jede Menge Eigenschaften der Welt durch das Zusammenwirken vieler paralleler Universen verursacht sind. Demnach koexistiert die wahrgenommene Wirklichkeit mit unendlich vielen Variablen – eben jenen Parallel Universen - die so ineinander verschachtelt sind, dass sie einerseits einander stabilisieren, andererseits so streng voneinander getrennt sind, dass eine Passage von einem Universum zum anderen möglich ist. Das ist nicht gerade der Stoff, der sich „geländegängig“ für die künstlerische Praxis eignet und das Vorstellungsvermögen übersteigt die Sache obendrein. Pedersen ist trotzdem entschlossen, einen Weg zu finden, um kaum Darstellbares darstellen zu können. So entsteht eine fröhliche (weil von naturwissenschaftlichen Phänomen gänzlich unberührte) Serie von Gemälden, Collagen und Zeichnungen, die merkwürdig Vertrautes irgendwie vertraut befremdlich zeigen.
  
Tiere - ein Vergleichsmaßstab für das Menschsein?

In den Arbeiten tummeln sich ausschließlich Tiere. Mal ist es ein Hund, ein Reh, ein Hirsch, Füchse tauchen auf, selbst Vögel und Fliegen, nichts Exotisches ist dabei, vielmehr Lebewesen, die offensichtlich vertraut der heimischen Fauna und Flora entspringen. Ihnen allen haftet keinerlei symbolische Bedeutung an, nur die Form, die Silhouette ist es, die Mads Dahl Pedersen interessiert und die in Farbgebung, Größe und Material variiert. Für seine Collagen, die von zeichnerischen Elementen stark durchsetzt sind, verwendet er Pappe und Papier. In seinen Gemälden spielt die reine Farbe eine Rolle – nichts in den Bildern ist wirklich malerisch. Nirgends gibt es ein narratives Setting, keinen Bildraum, keine Landschaft, stattdessen monochrome Flächen und Figuren, die das scharf umrissene Abbild eines Tieres erkennen lassen, weitgehend ohne Binnenzeichnung. Die Tiere “sitzen” angeschnitten oder frontal im Bild. In den Collagen wirkt die Form häufig wie eine Leerstelle, die kontrastreich auf farbigen Grund gesetzt ist. So entstehen – dem Thema entsprechend -. identische Kopien von etwas, das als Original so nie existiert hat. Und Formen, die parallel existieren ohne wirklich in derselben Sphäre verortet zu sein. Wer weiß, vielleicht gibt es (nach den Regeln der Quantenphysik) am Ende doch ein Universum, in dem Saddam Hussein glücklich mit Barbara Bush verheiratet ist?
  
Mads Dahl Pedersen wurde 1970 in Hjørring/Dänemark geboren. Er studierte an der Kunstakademie in Åarhus. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.
  
Andrea Schmidt, im Juli 2006

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