Material World

Das Spektrum der Materialien, die zur künstlerischen Anwendung kommen, ist unüberschaubar groß. Dementsprechend lassen sich verschiedenste ästhetische Verwendungszusammenhänge ausmachen, die sich nicht auf einen simplen Nenner bringen lassen. Und ganz abgesehen davon, dass niemand aus reiner Willkür zu einem x-beliebigen Stoff greift, gibt es eine dem Material innewohnende Bedeutung, die den Künstler herausfordert und inspiriert und die ihm geeignet erscheint, um seiner künstlerischen Botschaft Ausdruck zu verleihen. Nicht jeder Künstler, der zu einem unversehrten, fabrikmäßig hergestellten Warenprodukt greift, beabsichtigt ein klassisches Ready Made zu schaffen mit dem Ziel, den Konflikt zwischen industrieller Produktion und künstlerischer Individualität zu thematisieren. Ebenso wenig muss der Einsatz kunstunwürdigen - womöglich schadhaften und verbrauchten - Materials zwangsläufig als avancierte Art des Recyclings verstanden werden.
  
Material World - das sind fünf Künstler, fünf Positionen und fünfmal Material. Was sie miteinander verbindet, geht über die Tatsache, dass sie sich alle durch einen ausgeprägten Sinn für Materialwerte auszeichnen, hinaus. Für jeden von ihnen ist Material weit mehr als das Medium der reinen Form, wodurch nicht immer zwangsläufig offensichtlich “dienliche” Stoffe zum Einsatz kommen. Niemand beabsichtigt, ausschließlich die Qualität des entsprechenden Werkstoffs Zur-Schau-Stellen zu wollen. Material wird stattdessen in allen Fällen als das nicht fertige Gebrauchsgut begriffen, das es zu gestalten gilt. Der Künstler als Handwerker, der durch die Art und Weise der Materialveränderung- und präsentation einen neuen, ästhetisch transformierten Sinn entstehen lässt und letztlich neue Werte schafft?

Zu sehen sind künstlerische Resultate, die an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Genres angesiedelt sind. Dieser intermediale Dialog zeigt nicht nur den „Ausstieg“ aus dem, was traditionellerweise als Bild verstanden wird, sondern hat die räumliche Erweiterung zur Folge.

Andrea Schmidt, im September 2006

Schmidt Galerie - Max-Beer-Str. 13 - 10119 Berlin, Mitte