o.T., 2003, 57 x 57 x 9 cm bzw. 100 x 50 x 7 cm, Textilbänder auf Holz
  In den letzten Jahren hat Reiter bildähnliche Wandobjekte mit Bändern überspannt. In ihrem streng horizontalen oder vertikalen Verlauf stellvertreten sie ganz offensichtlich Linien der Zeichnung, bzw. farbige Streifen der Malerei, wie sie überall in konstruktiv-konkreter Kunst zu finden sind. Einzelne Bänder können von der Über- zur Unterschneidung derer, die sie kreuzen, wechseln, aber das geschieht verhalten: Nirgends entsteht der Eindruck eines Geflechts aus ‘Kette und Schuß’. Zwar können entsprechende Stellen als räumlich geschichtet begriffen werden – stets allerdings übertönt von einer Farbräumlichkeit, die ein faktisches Staffelungsverhältnis dementieren kann.
Im Gegensatz zu Beat Zoderer, der einige Popularität mit Werken im nämlichen Medium erlangt hat, geht es Reiter weder um die Akkumulation der Bänder zu einer festen Textur, noch auch um jene Erkundung des Materials selbst, seiner Elastizität, Festigkeit usw. – die Zoderer mannigfach durchgespielt und teils dadurch demonstriert hat, daß die Bänder den Bildträger auch rückseitig umspannen. Während Zoderer bisweilen zur regelrechten Verschnürung schreitet, auf daß sich das Objekt in seinem physischen Zusammenhalt gleichsam selbst erkläre, verzichtet Reiter hier auf solche Prinzipien von ‘Material & Wirkung’. Zwar bleibt der andere der einleitend explizierten Hintergründe relevant, der Bezug auf konstruktiv-konkrete Kunst, jedoch partout nicht in ironischer Variante. Weder rufen uns seine Bilder zu: „Warum gestreifte Kunst machen, wenn es doch im Alltag genug Gestreiftes gibt?!“, noch geht es um jene Materialerweiterung, die Zoderer intensiv, zuweilen fast didaktisch betreibt und deren Motto lauten könnte: „Was gemalte Streifen können, das vermögen auch Textilbänder!“. Vielmehr scheint die Herkunft der Bänder hier sublimiert, erinnern sie an hochgestimmte Saiten auf einem Resonanzkörper - dem weißen schlichten Rahmen -, dem helle Klänge entlockt werden.